Café Angelikahöhe in Schwarzenberg
Wie zu Hause
TEXT: Renate Breuß und Marina Hämmerle
Schwarzenberg wäre nicht Schwarzenberg, läge es nicht als historisch wichtiger Knotenpunkt auf der Nord-Süd-Handelsroute der Alpen. Seit Jahrhunderten ein umtriebiges Dorf, geprägt von stattlichen Gasthöfen, der barocken Kirche und den satten Wiesen dazwischen, wird es aufgeladen durch erneuerungsfreudige Wirte und die Schubertiade, das internationale Klassik- Festival. Es ist nicht nur Heimatort von Angelika Kauffmanns Vater, der renommierten Malerin des Klassizismus und Muse vieler berühmter Zeitgenossen, sondern auch von Gabi Innfeld, der ehemaligen Wirtin im Café Angelikahöhe, die dessen Renaissance nach Jahren des Leerstandes einläutete.
Kuriosum an der Geschichte dieses Lokals ist, dass es vom Handwerk zum Gastgeben fand – der Hausbesitzer und ehemalige Herrenschneider bewirtete seine Kunden beim Maßnehmen der Trachten und Anzüge mit Selbstgebackenem seiner Frau, schließlich sattelte er um und eröffnete im ehemaligen Atelier das Café Angelikahöhe. Seit Kindesbeinen an dort wie zu Hause waren Gabi Innfeld und ihre Schwestern – sie halfen beim Kinderhüten, in der Küche und im Service. Nach einigen Jahren Leerstand übernimmt sie 2008 das Café, engagiert mit Michael Ohneberg den passenden Architekten und innerhalb von zwei Monaten wird mit tatkräftiger Unterstützung aus dem handwerksversierten Familienkreis das neue Ambiente im gemeinsamen Kraftakt geschaffen. 2024 legte sie ihre gut gehegte Gästeschar in die ebenfalls backerfahrenen und gastfreundlichen Hände ihrer Nichte Hanna.
Die Holz-getäfelten Bregenzerwälder Gaststuben sind Kulturgut, sie verkörpern Geborgenheit und zelebriertes Gastgeben. Genau diese Qualitäten finden sich im renovierten „Angelikahöhe“ wieder. Typologisch gesehen entspricht das beliebte Kaffeehaus zwar nicht der Stube, Details, Mobiliar und Oberflächen wurden allerdings mit der gleichen Achtsamkeit ins Zeitgenössische übersetzt wie bei historischen Vorbildern. Die bunte Mischung an heimisch-internationalen Stammgästen findet sich informell-leger an der Bar ein, intim und gediegen im Hausinneren oder dorfzugewandt in der Lounge, unterm Sonnenschirm auf der Terrasse und auf der Hausbank in der Abendsonne.
Klassische Backwaren erfreuen Stammgäste und die neue, junge Klientel. Käsesahnetorte mit Meringue, Himbeerroulade, saisonale Streuselkuchen – auch vegan und glutenfrei – je nach Saison belegt mit Rhabarber, Apfel, und anderen heimischen Obstsorten. Sie alle basieren auf überlieferten Hausrezepten und guten Zutaten. Helle, moderne Kaffeeröstungen komplettieren das Geschmackserlebnis – und mit Hanna hielt zudem der Trend an ‚flat white‘ und ‚Matcha Latte‘ Einzug in den beliebten Nachmittagstreff in Schwarzenberg. So findet jeder Gusto das seine. Während der Schubertiade ergänzen der Senior:innen Mittagstisch und die Samstag-Brunches auf Vorbestellung das Caféhausangebot. In jedem Fall fühlt es sich an wie bei Muttern; es kommt auf den Tisch, was die Saison zu bieten hat – bestes Hausgemachtes und Regionales.