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Bregenzerwald © Popp Hackner / Vorarlberg Tourismus

Vom Juchzen und Jodeln

Charakterkopf

Evelyn Fink-Mennel

Von wegen altbacken.
Evelyn Fink-Mennel liebt Volksmusik. Aber die klingt bei ihr überraschend anders

Volksmusik ist ein steter Quell kleingeistiger Biederkeit, richtig? Ein Mensch, der sich mit derlei Vorurteilen dem Angelika-Kauffmann-Haus aus dem 17. Jhdt. in Schwarzenberg im Bregenzerwald nähert, den dürfte eine Überraschung erwarten. Evelyn Fink-Mennel nämlich, 1972 in Andelsbuch in Vorarlberg geboren, auf der ganzen Welt unterwegs gewesen, seit 2010 wieder zurück in der Heimat und dort so etwas wie eine Quellsucherin der regionalen Volksmusik. Barfuß empfängt sie einen, mit einem schwarzen Kaffee in der Hand. Wir machen ein wenig Small Talk, sie schreibt noch E-Mails, nachdem sie auch mir einen Kaffee eingeschenkt und aus dem Stegreif gejuchzt hat. „Verstehen Sie jetzt den Unterschied zwischen Juchzen und Jodeln?“, fragt sie beiläufig. Nun. Danach hatte ich zwar gefragt, allerdings nicht erwartet, dass die Dame gleich losjuchzt. Überhaupt hatte ich so einiges erwartet von einer ausgebildeten klassischen Musikerin mit Vorliebe fürs Streichquartett, nicht aber dieses sympathisch schräge Energiebündel, das man sich vorstellen muss wie eine coole Mischung aus der späten Annette Humpe von der Berliner Band Ideal und einer smarten Uniprofessorin.

Evelyn Fink-Mennel Musikerin © Darko Todorovic / Vorarlberg Tourismus

Evelyn Fink-Mennel – Musikerin

Wenn Sie mal ein paar Vorurteile über Volksmusik loswerden wollen,
dann treffen Sie am besten Evelyn Fink-Mennel

Allein was Evelyn Fink-Mennel alles gleichzeitig macht, würde bei Leuten mit durchschnittlichem Energielevel zum sofortigen Nervenzusammenbruch führen. Eine Radiosendung zum Beispiel im ORF, in der sie Hörern vorspielt, was für sie wahre Volksmusik ist. „Volksmusik, das ist doch nicht dieser süßliche Kitsch, den man vielerorts damit verwechselt, weil man halt ein kommerzielles Label daran gehängt hat“, sagt sie, „Volksmusik ist das Medium, mit dem sich ganze Länder, Städte, ja sogar einzelne Täler einst eine eigene Identität verschafften.“ Nach möglichst vielen Spuren dieser Volks-Musik zu suchen, das ist das große Steckenpferd der Musikerin aus Vorarlberg. Und Musik zu machen natürlich, „was aber leider oft zu kurz kommt.“

An der Musikschule Bregenzerwald leitet sie das Kinderorchester „Sägewerk“, aber bekannt ist sie in Vorarlberg eher, weil sie seit 1991 Ensemblemitglied von „Stemmeisen und Zündschnur“ ist: „Die Band hatte einen ganz wichtigen Einfluss in der hiesigen Mundartbewegung“, erzählt Evelyn Fink-Mennel. Heute heißt die Gruppe „Zündschnur & Band“. Über 20 Jahre lang lebte sie in Wien, arbeitete unter anderem an der Universität für Musik. Jetzt ist sie zurück, ihr Mann, Architekt, baute die Scheune des alten Kauffmann-Hauses zu einem Refugium aus Holz, Glas und Beton um.

Angelika Kauffmann Saal (c) Tourismus Schwarzenberg

Schwarzenberg, Angelika Kauffmann Saal

Warum zurück in die Heimat? „Wir wollten den beiden Kindern das Leben hier nicht vorenthalten“, antwortet sie, „es ist ja auch eine Idylle.“ Und Heimat? „Ja, sicher. Auch Heimat. Selbst wenn der Begriff manchmal ein wenig entstaubt gehört.“ Wie die Volksmusik. In dieser Hinsicht muss man sich bei Evelyn Fink-Mennel keine Sorgen machen. Sie singt in der Kirche schon mal in ein hölzernes Milchsieb hinein, spielt Käseharfe oder bringt Managern das Juchzen bei. Ach ja, seit 2010 ist sie auch Studienbereichskoordinatorin für die pädagogischen und künstlerischen Berufsstudien am Landeskonservatorium. Klingt trocken, aber man kann davon ausgehen: Wenn Evelyn Fink-Mennel mitmischt, wird ordentlich auf die Pauke gehauen.