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Modellregion Vorarlberg, Restaurant Johann in Lauterach © Udo Mittelberger / Vorarlberg Tourismus
Modellregion

Testfall Vorarlberg

Nachdem die Corona-Ampel Ende Februar für Vorarlberg von Rot auf Orange umgesprungen war, hat die österreichische Regierung das westlichste Bundesland zur Modellregion erklärt. So konnten gestern – unter strengen Auflagen – Gastronomiebetriebe wieder öffnen und Veranstaltungen stattfinden.

Die Erleichterung ist den Gästen im Johann in Lauterach anzusehen. Nach viereinhalb Monaten das erste Mal Mittagessen im Gasthaus! Dass man dazu vorher in der Teststraße vorbeischauen musste, um mit einem negativen Testergebnis Einlass zu bekommen, nehmen sie gerne in Kauf. Auch die FFP2-Masken, die Registrierungspflicht, zwei Meter Mindestabstand und die Sperrstunde um 20 Uhr akzeptieren sie: „Wir freuen uns, den Geburtstag unseres Schwiegersohns in unserem Stammlokal feiern zu können“, sagt Werner T. aus Bregenz. Auch Gastgeberin Rafaela Berger freut sich, dass wieder Leben im Lokal herrscht: „Trotz der strengen Auflagen wäre es für uns keine Option gewesen, nicht aufzusperren. Es ist schön für unser Team, nach so langer Zeit wieder unsere Gäste begrüßen zu dürfen.“

Nachdem Anfang Februar österreichweit bereits körpernahe Dienstleistungen, Museen und der Handel unter strengen Auflagen wieder öffnen durften, kann die Modellregion Vorarlberg seit gestern einen Schritt weiter gehen: Neben der Gastronomie betrifft das auch die außerschulische Jugendarbeit, Kultur und Sport für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, Treffen von Selbsthilfegruppen und Veranstaltungen bis 100 Personen.

In Vorarlberg haben derzeit über 14 Prozent der Bevölkerung zumindest die erste Impfung erhalten (Impf-Dashboard, abgerufen am 16. März). Mittlerweile gibt es 130 kostenlose Testmöglichkeiten mit einer Kapazität von 145.000 Tests pro Woche. Die 7-Tage-Inzidenz (Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Einwohner) belief sich am 15. März auf 68, in ganz Österreich auf 210 (AGES Dashboard, abgerufen am 16. März). Bewährt sich das Vorgehen, sollen auch andere Bundesländer von den Erkenntnissen profitieren.

Modellregion Vorarlberg, Restaurant Johann in Lauterach © Udo Mittelberger / Vorarlberg Tourismus
Modellregion Vorarlberg, Restaurant Johann in Lauterach © Udo Mittelberger / Vorarlberg Tourismus

„Trotz der strengen Auflagen wäre es für uns keine Option gewesen, nicht aufzusperren. Es ist schön für unser Team, nach so langer Zeit wieder unsere Gäste begrüßen zu dürfen.“

Rafaela Berger, Gastgeberin im Johann in Lauterach
Tourismus gut vorbereitet

Es liegt in der Natur der Sache, dass die gesetzten Schritte auch auf Kritik stoßen. Epidemiologen befürchten ein Ansteigen des Infektionsgeschehens, viele Unternehmer klagen über die mangelnde Wirtschaftlichkeit durch die räumliche und zeitliche Beschränkung. Tourismusdirektor Christian Schützinger begrüßt den politischen Kompromiss: „Für die Einheimischen tragen die Öffnungsschritte in Gastronomie und Kultur dazu bei, Optimismus zurückzugewinnen. Mit steigenden Temperaturen, strikten Sicherheitsmaßnahmen, konsequentem Testen und voranschreitender Durchimpfung können hoffentlich auch die Beherbergungsbetriebe bald wieder öffnen und die Grenzen leichter passierbar werden.“

Die Branche ist jedenfalls für den Tag X gut vorbereitet: Neben den bereits, für die praktisch ausgefallene Wintersaison, getroffenen Vorkehrungen können auch die Erfahrungen aus dem Betrieb der Seilbahnen ins Treffen geführt werden. Die Maßnahmen in den Skiregionen von der Maskenpflicht über Kapazitätsbeschränkungen bis zur Gästeregistrierung haben sich bewährt: Die Menschen haben diese für ein bisschen mehr Freiheit im Alltag gerne in Kauf genommen.

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