C Skyspace von James Turrell in Lech am Arlberg (c) Maria Muxel
Himmel auf Erden
James Turrell am Arlberg
C Skyspace von James Turrell in Lech am Arlberg (c) Maria Muxel
James Turrell am Arlberg
Reportage
Der weltberühmte Künstler James Turrell war bei einer Wanderung rund um Lech am Arlberg so von der Bergwelt fasziniert, dass man hier einen seiner Skyspaces realisiert hat – einen Raum, in dem das Licht neu erlebt wird
TEXT: THOMAS ZWICKER
Die Luft ist glasklar hier oben und wunderbar frisch. Eine heilsame Stille liegt über dem Tannegg-Hügel, einem kleinen, beinah perfekt geformten Kegel auf 1.780 Meter über dem Meeresspiegel nahe der Schlosskopfbahn hoch über Lech am Arlberg. Ringsum tut sich eine gewaltige Berglandschaft auf, ragen Biberkopf, Karhorn, Mohnenfluh und Omeshorn ins blaue Firmament. Das Tannegg wirkt in seiner Abgeschiedenheit ein wenig wie aus der Zeit gefallen, ein Kraftort mit bezaubernder Aussicht, an dem Wanderer innehalten. Und der Bühne ist für eins der großen Kunstwerke unserer Zeit.
Kultur ist am Arlberg wichtig, nicht nur für die Gäste, sondern auch für Einheimische
„Es gibt hier wenig Lichteintrag vom Dorf her, somit ist es ein idealer Ort, um einen Skyspace zu installieren“, war Ludwig Muxel überzeugt, ehemaliger Bürgermeister von Lech. Die Ruhe des Ortes, der Kontrast zum oft auch turbulenten Urlauberleben sommers wie winters in Lech sind von großer Bedeutung.
Am Anfang standen die großen
„Eisenmänner“ von Antony Gormley
Kultur hat im wunderschönen Naturraum rund um Lech Zürs am Arlberg seit geraumer Zeit ihren Platz. Anno 2010 realisierte das Kunsthaus Bregenz mit Antony Gormley, einem der wichtigsten zeitgenössischen Bildhauer Großbritanniens, unter dem Namen „Horizon Field“ eine gewaltige Landschaftsinstallation. Genau 100 lebensgroße Eisenfiguren wurden auf einer Fläche von 150 Quadratkilometern in jeweils 2.039 Meter Höhe im Vorarlberger Lechquellengebiet aufgestellt, dazu gab es Landkarten der Standorte, Projektbeschreibungen, Wandervorschläge, Vorträge und Workshops. Ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum, das international Aufsehen erregte. Ein Eisenmann ist am Kriegerhorn noch zu sehen.
Gormleys Anliegen, Kultur in die Natur zu integrieren, wurde von den Menschen begeistert aufgenommen – Tausende Wanderer und Skiläufer kamen, um die Eisenmänner im Hochgebirge zu bewundern. Die Figuren sollten eine „tiefe Verbundenheit zwischen dem sozialen und geologischen Raum, zwischen Landschaft und Erinnerung“ darstellen, so ihr Schöpfer. Der in Vorarlberg gegründete Kunstverein Horizon Field setzte sich zum Ziel, das bis 2012 angelegte Projekt wieder zu installieren und die Skulpturen dann dauerhaft zu erhalten.
In Zusammenarbeit mit dem heimischen Galeristen Wolfgang Häusler (Galerie Häusler Contemporary) wurde dann der amerikanische Lichtkünstler James Turrell für das Unternehmen Skyspace in Lech gewonnen. Unter Leitung von Machern wie Otto Huber (Obmann) und Artur Vonblon (Finanzen) einigte sich der Verein Horizon Field mit den Grundeigentümern, holte Genehmigungen ein, arbeitete an der Finanzierung. Das Projekt Skyspace Lech entstand.
Anno 1943 in Los Angeles geboren, studierte James Turrell zunächst Psychologie und Mathematik und schloss 1973 sein Kunststudium ab. Seit den 1960er-Jahren arbeitet er an sogenannten „Lichträumen“ und damit an der Auseinandersetzung mit den vielfältigen Erscheinungsformen des natürlichen und künstlichen Lichts. Installationen und Environments machen Licht als künstlerisches Medium erfahrbar, Fläche, Farbe und Raum treten in ein spannungsgeladenes Wechselspiel und machen das Licht sinnlich und geistig erlebbar.
Seit den 1970er-Jahren arbeitet der Künstler an seinem Lebenswerk, dem erloschenen Vulkan „Roden Crater“ in Arizona mit Tunneln, unterirdischen Räumen und Decken-Öffnungen in den Himmel. 2013 verwandelte er mit seiner Arbeit „Aten Reign“ das Solomon R. Guggenheim Museum in New York in einen atmosphärischen Lichtraum. Es folgten große Retrospektiven im Los Angeles County Museum of Art (LACMA) und der National Gallery of Australia. Insgesamt hat Turrell mehr als 140 Einzelausstellungen in Museen und Galerien sowie weltweit über 60 Skyspaces realisiert.
James Turrell ist in Vorarlberg kein Unbekannter, schon 1997 hatte er die Eröffnungsausstellung des Kunsthaus Bregenz mit seiner Lichtinstallation in der Außenfassade illuminiert.
„Oft schauen wir zum Himmel und denken, dass er so weit weg ist. Aber meine Skyspaces bringen den Himmel herunter an die Decke des Raumes, in dem man sich befindet.“
Die Skyspaces des James Turrell sind speziell proportionierte Räume, in die durch eine Öffnung in der Decke das Licht einfällt – teils in bestehende Bauten integriert, teils eigens errichtet. „Oft schauen wir zum Himmel und denken, dass er so weit weg ist. Aber meine Skyspaces bringen den Himmel herunter an die Decke eines Raums, in dem man sich befindet“, sagt der Amerikaner. Sein spektakulärstes Projekt „Roden Crater“ ist ein riesiger erloschener Vulkan bei Flagstaff in Arizona, den Turrell seit 1974 mit hineingefrästen Stollen und Tunneln samt zum Himmel gerichteten Öffnungen, Skyspaces, in ein gigantisches Lichtkunstprojekt verwandelt. Mehr als 60 kleinere Skyspace-Objekte gibt es heute in aller Welt.