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Bikepark Brandnertal ©Michael Marte / Bikepark Brandnertal
Bikepark Brandnertal

Rauf aufs Bike, runter den Berg

30 Kilometer Fahrvergnügen für die ganze Familie.

TEXT: CHRISTIAN HAAS

Vorarlberg entwickelt sich immer mehr zur Bike-Destination. Im Bikepark Brandnertal wird das besonders deutlich. Da wird gerast, gesprungen, geslidet, dass es allen nur so eine Freude ist (auch was das Zuschauen betrifft). Stark, wie filmreif manche die Kurve(n) kriegen. GoPros auf dem Helm gehören ohnehin fast zum Standard. Wer diesbezüglich oder für sein Gefährt Support braucht, findet alles – vom Protektor bis zum Ersatzakku – im Wallride Mountainbike Store. Dort schwärmen die Sportler ein und aus, davor werden Räder gecheckt, montiert, abgespritzt. Manche stehen vor Dreck. Andere stehen mit ihren Bikes, mitunter auch mit sogenannten Monsterrollern und Mountainkarts, in der Schlange der Bergbahn, die für ein schnelles Bergauf sorgt.

„In Bürserberg war, mal von ein paar Wanderern abgesehen, im Sommer lange tote Hose“, meint Michael Marte, einer der drei Geschäftsführer des Bikepark Brandnertal. „Die Lifte“, so der 38-Jährige, „fuhren nur im Winter.“ Bis erst eine Ferienanlage und 2014 der Bikepark eröffneten. Seitdem ist hier richtig was los, erst recht seit der Erweiterung 2020. „Bei elf Hauptstrecken samt zahlreichen Varianten ist nun wirklich für jeden was dabei – vom Kind über den erwachsenen Einsteiger bis zum Weltcupfahrer.“

Bikepark Brandnertal, Bürserberg-Tschengla © Helmut Düringer / Vorarlberg Tourismus GmbH
Bikepark Brandnertal (c) Michael Marte / Bikepark Brandnertal

Bergauf bequem per Bahn und bergab auf adrenalinfördernden Trails über Stock und Stein, Schanzen und Steilkurven: Willkommen im Bikepark Brandnertal!

Speedjunkies aufgepasst!
Michael erzählt weiter: „Wir hatten immer die Vorstellung, konkurrenzfähig zu sein mit Serfaus, Saalbach, Sölden.“ Selbst ohne S am Anfang ist das dem Brandnertal geglückt. Was nicht mit zügellosem Wachstum verwechselt werden dürfe, so Michael. „Uns liegen die Berge sehr am Herzen.“ Das zeigt sich an Ausgleichsflächen, behutsamer Trailpflege und dem recht neu initiierten Bus-Shuttle von Bludenz nach Bürserberg. Das Motto: ÖPNV statt Privatauto – der Umwelt wegen. Klappt auch gut, dank kostenfreier Nutzung mit dem Bikepark-Ticket sowie einem Radanhänger. Schließlich kommen die allermeisten mit dem eigenen Bike. Auch wenn man sich vor Ort eines leihen kann. Gut zu wissen: Es gibt längst auch die Elektro-Variante, für die man sich mittlerweile nicht mehr schämen muss, wie Michael meint. Also Helm auf, Tagesticket gelöst und rauf mit der Sesselbahn. Dann gleich die erste Bretterkurve. Eigentlich kein Problem, aber Achtung: Rutschgefahr. Gut, dass Bike-Checkerin Petra Rocha dabei ist und die Ideallinie zeigt. Bei matschigen Wurzelpassagen und Kurven ist das hilfreich, auf dem zähen Forstweg bergauf hilft der Motor.

Bei diversen Schildern lernen wir, dass „Tschack Norris“ und „Tschäckie Tschan“ nicht nur harte Filmkerle sind, sondern auch harte Abfahrten. Damit niemand auf den falschen Pfad gerät, sollte die Farbcodierung beherzigt werden: schwarz gleich schwer, rot gleich mittel, blau gleich leicht. Kennt man vom Skifahren. Unsere Wahl fällt auf den roten „Alte Statt Trail“. Petra mahnt zur Konzentration. „Nasse Wurzeln können fies sein, ebenso steiniger Untergrund.“ Da heißt es, im Stehen stets die Bremsen im Anschlag zu haben. Wobei man mitunter auch gut in die Pedale treten muss, um mit genügend Tempo die Balance zu halten. Im Anschluss geht es auf Schotterwegen mit Highspeed bergab. Macht – genau: high. Irgendwann verlieren wir den Überblick, was nun genau ein Enduro-Trail und was eine Flowline ist. Egal, Hauptsache, wir sind im Flow!

 

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Der Bikepark Brandnertal von oben

Ready für die XXL-Runde?
Auf den 30 Trailkilometern könnte man sich tagelang austoben. Aber manchmal liegt der Reiz ja auch im Unterwegssein inklusive wechselnder Unterkunft. In diesem Fall empfiehlt es sich, die 5-Täler-Mountainbike-Tour unter die Räder zu nehmen. Mit dem schaltet Vorarlberg einen weiteren Gang hoch, Richtung oberste Bike-Liga. 155 Kilometer Länge, über 5.000 Höhenmeter, 20 Stunden Nettofahrzeit, vier Tage im Sattel, aufregende Wegeführung, überwältigende Landschaft. Noch Fragen? Vielleicht die: Für wen eignet sich die XXL-Runde? Petras Antwort: „Die mittelschwere Tour kann jeder machen, der etwas Erfahrung und genug Kondition mitbringt.“ Alternativ lassen sich die Etappen separat als Tagestrips unternehmen. Auch da hat Petra einen Tipp: den Muttersberg oberhalb von Bludenz. Dank Gondel können Radler den fünf Kilometer langen Singletrail ausgeruht in Angriff nehmen, laut Petra „ein beinahe endloses Gravity-Erlebnis“. Damit spielt sie auf den Abwechslungsreichtum an. Der reicht von kleineren Wellen und Jumps über Steilkurven und Speedpassagen bis zur Jumpline, bei der Sprungabfolgen „für massig Airtime sorgen“. Bodenständigere Charaktere müssen sich aber nicht sorgen: Das Stück kann umfahren werden.

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