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Barockbaumeister Museum in Au, Bregenzerwald (c) Marianna Moosbrugger
Seit 26. September 2021 geöffnet!

Barockbaumeister Museum Au

Von der „Auer Zunft“, den Barockbaumeistern und -Handwerkern, die kulturhistorische Maßstäbe setzte

Was verbindet bedeutende Barockbauten wie die Wallfahrtskirche in Birnau (D), die Abteikirche von Ebersmünster (F/Elsass), die Kirchen der Klöster St. Gallen (CH) und Einsiedeln (CH) mit dem Dorf Au im Bregenzerwald? Diese Werke – und rund 800 weitere – planten und errichteten Baumeister und Handwerker aus Au und dem Bregenzerwald. Die Geschichte der außergewöhnlichen „Auer Zunft“ erweckt das neue Barockbaumeister Museum zum Leben. Es befindet sich im sorgsam renovierten „Kurathus“.

Das neue Barockbaumeister Museum in Au sieht seine Aufgabe darin, die Geschichte dieser außergewöhnlichen Vereinigung sichtbar zu machen und weiter zu erforschen. Es lenkt den Blick auf die Gründungsgeschichte der „Auer Zunft“ und das Wirken der Barockbaumeister, stellt aber auch die heutige Gestaltungskompetenz der Mitglieder der Handwerkerzunft Au ins Schaufenster.

Die Ausstellung thematisiert ein historisch gewachsenes, bis heute lebendiges Qualitätsbewusstsein, das Denken in Kooperativen und das Modell des überregionalen Kompetenztransfers. Darüber hinaus erzählt das Barockbaumeister Museum ein Stück Orts- und Regionalgeschichte. Es versteht sich als Impulsgeber, als Ort der Begegnung und des Austausches – für interessierte BesucherInnen ebenso wie für ArchitektInnen, HandwerkerInnen und HistorikerInnen.

 

Die 4 Ausstellungsteile des Barockbaumeister Museums


Planen, bilden, bauen

Dieser Ausstellungsteil erzählt von der Gründung der „Auer Zunft“, der Ende des 17. Jahrhunderts mehr als 90 Prozent der männlichen Bewohner von Au angehörten. Von Beginn an setzte ihr Gründer Michael Beer auf eine fundierte Ausbildung der Zunftmitglieder. Die Praxis lernten die Lehrlinge im Sommer auf den Baustellen. Im Winter befassten sie sich zuhause mit Materialkunde, Kostenberechnung und zeichnerischer Darstellung. In Summe bildete die „Auer Zunft“ 1.814 Lehrlinge aus. Ein Unikat sind die „Auer Lehrgänge“. So heißen zwei handgezeichnete Architektur- und Lehrbücher, ein Sammelwerk von Zeichnungen nach gedruckten und anderen Vorlagen.

Das Bauen organisieren
Ein hoher Organisationsgrad war schon in der Barockzeit ein Wettbewerbsvorteil. Oft setzten sich die Bregenzerwälder Baumeister damit gegen Konkurrenten durch. Sie brachten komplette Bautrupps aus ihrer Heimat mit, garantierten Qualitätsarbeit und übernahmen mitunter die Bauabwicklung. Das Handwerkswissen wurde zumeist innerhalb von Familien mündlich überliefert. So war der Fortbestand der „Auer Zunft“ über Generationen gesichert.

Mobil und vernetzt
Die Baumeister aus dem Bregenzerwald erkannten bereits damals das Potenzial regionaler Zusammenarbeit. Sie knüpften berufliche und familiäre Netzwerke und waren für die damalige Zeit erstaunlich mobil. Im Winter führten die Meister ihre Bauverhandlungen. Im Frühling zogen Bautrupps mit bis zu 200 Arbeitern zu Fuß an ihre Arbeitsorte. Nicht selten waren die Baustellen bis zu 300 Kilometer entfernt.

Gehen und bleiben
In vielen Haushalten waren die Männer von März bis November auf Baustellen. Das Leben zuhause organisierten die Frauen. Doch nicht in allen Haushalten wuchs der Wohlstand. Macht und Einfluss hatten weiterhin Großbauern, Säumer und die Kirche. Die Dorfstruktur änderte sich. Einige der Baumeister zogen für immer fort, andere blieben in Au und brachten einen bürgerlichen Lebensstil ins Dorf.

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