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Weltcup Montafon Bergbahn Silvretta Montafon © Gregor Lengler / Vorarlberg Tourismus

Ein Tal packt an

Weltcup Montafon
Vorarlberg Magazin

Montafon

Weltcup im Skigebiet Silvretta Montafon

Jedes Jahr im Dezember trifft sich im Skigebiet Silvretta Montafon die Weltspitze der Ski und Snowboard-Crosser zum Kräftemessen. Ein riesiges Sportfest in Schruns und auf den Pisten, das ohne die vielen Freiwilligen gar nicht möglich wäre. Wir haben hinter die Kulissen geschaut

TEXT: FABIAN TEUBER

„Skiers… ready? – Attention!“ Mit einem Knall fallen die Klappen am Startblock, die ersten vier Kontrahenten stürzen sich in die gut drei Meter tiefe Halfpipe, sausen mit Schwung am anderen Ende wieder hinaus und auf die erste Steilkurve zu. Vom Start, der etwas unterhalb des Hochjoch-Gipfels liegt, bis zum Ziel nahe der Bergstation der Gondelbahn sind es rund 200 Höhenmeter.

Mit bis zu 65 Stundenkilometern kurven die Wintersport-Profis über den 985 Meter langen Weltcup-Parcours – kaum 60 Sekunden dauert die rasante Abfahrt. Im Zieleinlauf herrscht eine Stimmung wie in einem Fußballstadion: Gebannt verfolgen die Zuschauer auf einer Großbildleinwand das Renngeschehen, auf der bis auf den letzten Platz gefüllten Zuschauertribühne werden Fahnen geschwenkt. Vuvuzelas ertönen, aus den Lautsprechern dröhnen Partyhits.

Weltcup Montafon Rennleiter Christoph Arndt © Gregor Lengler / Vorarlberg Tourismus
Weltcup Montafon Zieleinlauf © Gregor Lengler / Vorarlberg Tourismus

Alles im Blick behält Rennleiter Christoph Arndt von seiner Position neben der Startbox

Der Kurs für Skicross und Snowboardcross ähnelt einer BMX-Strecke, nur eben aus Schnee. 80 000 Kubikmeter davon wurden für die 32 Elemente des Parcours verbaut: eine Halfpipe, fünf Steilkurven, diverse Sprünge und Wellen. Die grobe Vorarbeit für den Doppel-Weltcup hat ein eigens dafür auf den Berg geschaffter Bagger geleistet, doch das meiste ist nach wie vor Handarbeit: Mit allerlei handelsüblichem Gartengerät bringen die „Shaper“ den Schnee in Form. Um die Strecke herum wurden gut fünf Kilometer Fang- und Absperrnetze gezogen, dazu kilometerweise Kabel für die Zeitmessung und natürlich die Fernsehkameras.

Drei Tage dauern die Wettkämpfe in beiden Disziplinen. Die Vorbereitungen haben Monate in Anspruch genommen, gut zwei Wochen vor dem Wettkampf-Wochenende beginnt die heiße Phase. Die Organisation des Weltcups ist ein perfektes Zusammenspiel von Montafon Tourismus, Silvretta Montafon und den Skiclubs im Tal. Zahlreiche Vereine und Schulen sind zudem eingebunden, natürlich auch die Freiwillige Feuerwehr und das Rote Kreuz. Viele Helfer nehmen Urlaub und reisen auch von weither an, um beim Großevent anzupacken. Alle sind stolz, mitwirken zu können. Warum, fragt man sich, machen die das? Die Antwort lautet: Einige der besten Wintersportler der Welt sind Montafoner. Sie starten bei Olympia, repräsentieren das Tal in der ganzen Welt. Und oft sind es auch Vereinskameraden. Die sollen beim Heimderby dann natürlich die bestmöglichen Bedingungen vorfinden.

Viele Helfer nehmen Urlaub und reisen auch von weither an, um beim Großevent anzupacken.

Noch bei Dunkelheit fahren die ersten 40 Helfer auf den Berg, um den Kurs vor jedem Renntag wieder in wettkampftauglichen Zustand zu bringen. So früh ist die Seilbahn eigentlich noch gar nicht in Betrieb, es ist eine Sonderfahrt für den harten Kern: Die meisten, die jetzt, zusammengedrängt und mit müden Gesichtern, in der Gondel stehen, waren auch am Vortag schon um vier Uhr oben – und erst um 19 Uhr wieder auf dem Weg ins Tal. Hier und da ein unterdrücktes Gähnen, und doch herrscht beste Stimmung.

Weltcup Montafon Pistenpraeparierung © Gregor Lengler / Vorarlberg Tourismus
Weltcup Montafon © Gregor Lengler / Vorarlberg Tourismus
Weltcup Montafon © Gregor Lengler / Vorarlberg Tourismus

In aller Frühe wird die Piste präpariert. Zuletzt wird die Streckenmarkierung aufgetragen

Ein Jahr Arbeit, 700 Hände – doch das Wetter muss auch mitspielen

Oben, im mollig warmen Aufenthaltsraum, gibt es erstmal eine Semmel. Davon gehen täglich 250 weg, dazu jede Menge Obst, Müsliriegel und Mini-Salamis. Fast pausenlos surrt der Kaffeeautomat. Schnell bildet sich eine kleine Schlange bei Dorle Hübler: Sie gibt die verschiedenfarbigen Leibchen aus und fragt: „Rutscher, Strecke oder Torrichter?“ Die „Rutscher“ fahren vor und zwischen den Läufen die Strecke im Gänsemarsch ab, rutschen versetzt durch die Steilkurven und schaben dabei den losen Schnee aus dem Kurs, um diesen zu ebnen. Die Torrichter und Streckenposten verteilen sich am Kurs, irgendwo zwischen Start und Ziel, halten ein waches Auge auf etwaige Regelverstöße und sind bei Stürzen schnell zur Stelle.

  • Die Crosser fahren auch auf Olympia ab
    Skicross ist seit 2010 olympische Disziplin, Snowboardcross schon seit 2006, es sind also recht junge, aber in ihrer Popularität rasant wachsende Sportarten. Im K.O.-System treten pro „Heat“ vier Sportler auf einem Parcours mit Halfpipes, Sprungschanzen und Steilkurven gegeneinander an, die beiden schnellsten kommen in die nächste Runde. Mehr als 200 Athleten aus 27 Nationen haben sich in den beiden Disziplinen für den Weltcup im Montafon registriert.

Weltcup Montafon Eva-Maria Speckle © Gregor Lengler / Vorarlberg Tourismus
Weltcup Montafon © Gregor Lengler / Vorarlberg Tourismus

Hinter den Kulissen: Eva-Maria Speckle notiert im Zieleinlauf die Ergebnisse der Heats

Per Funk halten sie Kontakt zur Rennleitung. Dann gibt es noch die „Färber“. Sie sprühen blaue Markierungen am Streckenrand und an den Hindernissen auf den Schnee. Sie streifen sich nun ihre weißen Maleranzüge über, die schon blau gesprenkelt sind von den letzten Tagen. Draußen warten die Ski-Mobile, in deren Schlepptau geht es auf Ski hinauf zum Start. Im Schein der Stirnlampen wird nun der Kurs „gerutscht“, Steilkurve für Steilkurve. Um halb acht ist die Strecke bereit für die ersten Trainingsläufe. Am terrassierten Hang hinter der sogenannten Startbox machen sich die Athleten bereit. Dort werden die Bretter gewachst und letzte Vorbereitungen getroffen. Rennleiter Christoph Arndt hat bereits seine Position im Startbereich bezogen.

Wir sind hier alle Wintersport-Begeisterte.

Von hier hat er die gesamte Strecke im Blick. Er ist einer der Ersten morgens auf dem Berg und so ziemlich der Letzte, der wieder hinunterfährt. Drei Funkgeräte baumeln vor seiner Brust, dazu ein „Mann im Ohr“ – und sollte da einmal Funkstille herrschen, klingelt im nächsten Moment ganz sicher das Handy. Der Job ist stressig, aber das scheint ihm ganz offensichtlich nicht nur nichts auszumachen, sondern einen Riesenspaß zu bringen. Zwischendurch wird der Tonfall zwar durchaus mal etwas rauer, doch irgendwie schafft der Mann es, seine gute Laune zu behalten. Wie er seien hier alle „Wintersport-Begeisterte“, „Glas-halb-voll-Typen“, die sich auch von Widrigkeiten des Wetters nicht entmutigen ließen, meint er.

Weltcup Montafon © Gregor Lengler / Vorarlberg Tourismus
Weltcup Montafon © Gregor Lengler / Vorarlberg Tourismus

Allzeit bereit: Gut einpackt warten die vielen Rutscher auf ihren Einsatz. Sie glätten die Strecke zwischen den Rennen

Zum großen Abschlussfest rechnen die Montafoner mit 8000 Gästen

Mit dem Wetter ist das nämlich so eine Sache: Klar, ohne Schnee kein Wintersport, doch zu viel davon soll es auch nicht sein. In der Nacht zum Vortag etwa hatte der Wind großflächig Zäune umgeweht, Neuschnee bedeckte den Kurs, die Helfer waren ab vier Uhr früh am Berg unterwegs. Mit vereinten Kräften haben sie es geschafft, pünktlich war alles wieder perfekt. Doch dann schneite es wie verrückt, und Nebel zog auf – die für den Tag geplanten Qualifikationsrennen mussten allem Einsatz zum Trotz verschoben werden.

1500 Höhenmeter tiefer entsteht auf dem Parkplatz an der Talstation der Hochjoch-Bahn in Schruns ein veritables Festival-Gelände mit Open-Air-Bühne, Festzelt und Imbissständen. Am Samstagabend spielt die schwedische Rockband Mando Diao, im Festzelt heizen DJs der Menge ein. Doch dass sich zur Abschluss-Sause 8000 Menschen hier tummeln werden, die Hauptstraße in eine bunte Partymeile verwandelt sein wird, lässt sich noch am Freitagvormittag nur erahnen. Von Hektik dennoch keine Spur, es herrscht typisch Montafoner Gelassenheit. Das Zelt steht schon, auch die Bühne nimmt allmählich Gestalt an.

Die Leute im Tal halten zusammen. Oft arbeiten ganze Familien mit

Der Weltcup ist auch für die Gastronomen der Startschuss in die Wintersaison. Ewald Tschanhenz etwa ist Hotelier im nahe gelegenen Sankt Gallenkirch; er hat ein paar Tage eher als eingeplant wieder aufgesperrt, um kurzfristig vier Snowboard-Nationalmannschaften zu beherbergen. Der begeisterte Hotelier war auch einige Jahre Bürgermeister des Ortes. Dass der Weltcup zum Erfolg und so zu einem Aushängeschild für die gesamte Region geworden ist, liegt für Tschanhenz vor allem an einem: dem engen Zusammenhalt der Montafoner. Nicht selten sind ganze Familien als Helfer dabei, so wie die von Eva-Maria Speckle. An einer Tafel notiert sie die Ergebnisse der Heats und die nächsten Paarungen, ihr älterer Bruder moderiert derweil im Zieleinlauf das Renngeschehen, auch die Eltern helfen mit. Von Anfang an, jedes Jahr wieder.

Nach 24 Läufen steht schließlich fest, wer auf das Siegertreppchen darf. Das hat bis gerade eben noch zwischen Kisten irgendwo im Hintergrund gestanden und wird nun in Windeseile zusammen mit der aufblasbaren und mit den Logos der Sponsoren beklebten Aufstellwand über die Bande gehievt. Anschließend drapieren Helfer die Champagner-Flaschen auf den Stufen. Die Sieger werden sich hier gleich einen kräftigen Schluck gönnen und feiern, und auch die Montafoner dürfen zufrieden mit sich sein – der Weltcup ist in diesem Jahr wieder einmal sehr erfolgreich über die Bühne gegangen.

Die Region

Montafon

Mächtige Bergketten umrahmen das Tal im Süden Vorarlbergs. 11 Orte bieten alles, was Aktive und Naturgenießer schätzen: eindrucksvolle Wanderwege und Mountainbikestrecken, flotte Pisten und Freeride-Hänge. Dazu jede Menge attraktive Programme zum Ausprobieren und Mitmachen.

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