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Angelika-Kauffmann-Museum © Albrecht Imanuel Schnabel
Architektur | Kultur

Vorarlberger Hof

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  • „Fremdhäßige“

    Als sich der 1873 in Dornbirn gegründete Arbeiterbildungsverein wenige Jahre später zur Sozialdemokratie bekannte, wurde er zunächst einmal verboten. Die sozialdemokratische Partei hatte in Dornbirn zuerst wenig Erfolg, die Mehrzahl der Arbeiter wählte konservativ. Ein Grund war sicherlich die Darstellung der Sozialdemokraten als „Landesfremde“, als Nicht-Vorarlberger.
    Das erste Wort, das dem Historiker Reinhard Mittersteiner zu der Sozialdemokratischen Arbeiterbewegung einfällt, ist der Begriff „Fremdhäßig“. Eine mittlerweile aus dem Gebrauch gekommene Dialektbezeichnung für Menschen mit fremder Kleidung, also Migranten.
    Zitat 1:

    Aus dem Landboten für Vorarlberg, 1893

    Nun, liebes Wieble, die Sozi oder die Sozialdemokraten sind in der Regel junge Bürschlein ohne Schnauzer, … und nach ihrem Geburtsorte sind die allermeisten Fremdhäßige, d. h. sie sind außer Vorarlberg geboren und stehen hier in Arbeit und Dienst oder sind extra hergeschickt worden, um unser Heimatland Vorarlberg sozialdemokratisch zu machen. … Das sind schöne Kerle, nicht wahr?

    Die Partei fand tatsächlich unter den zugewanderten Handwerker- und Arbeiterfamilien ihre Anhänger. Die Dornbirner Sozialdemokraten trugen um 1900, wie die wandernden Handwerksburschen schwarze Schlapphüte, die mit einer roten Feder geschmückt waren. 1898 wurde in Dornbirn ein eigener italienischer Arbeiterverein, die „“Societa Italiana dei Lavoratori e Lavoratrici“ gegründet. Johann Coufal (1847–1898) aus Mähren und Ignaz Leimgruber waren maßgeblich an dieser Gründung beteiligt.

    Dornbirn wurde zum organisatorischen Mittelpunkt der Vorarlberger Sozialisten. Hier entstand ab 1919 das „Arbeiterheim“, der spätere Vorarlberger Hof.

    Wieso es so wichtig war, ein eigenes Gasthaus zu betreiben, zeigt folgender Auszug aus dem Vorarlberger Volksblatt 1897:

    “Ein Gasthof wie der ‚Mohren‘, der doch zu den ersten unserer Gemeinde gehören sollte, wird bald zur ständigen Herberge der rothen Umstürzler, und wenn man diese meist kaum recht trockenen, grünen Jungens und ihr freches Auftreten, sowie ihre ‚Genossinnen‘ sich ansieht, wenn man dann ihre alles dem Menschen Heilige beschmutzenden Reden anhört, dann muss man sich wirklich wundern, dass eine Gastwirtin wegen der paar hundert Liter Bier, die sie mehr ausschenkt, diesem Gelichter von Leuten den schönen Saal fort und fort zu Versammlungen zur Verfügung stellt. Hat man denn im ‚Mohren‘ […] alle Erinnerungen an den Ruf dieses Hauses, alle Pietät gegen die frühere Zeit und die sich dort einfindende Gesellschaft vergessen?”

      www.vielfaltenarchiv.at/menschenspuren
      stadtarchiv.dornbirn.at/menschenspuren

    Amt der Vorarlberger Landesregierung - Kultur

    Präsentiert von: Amt der Vorarlberger Landesregierung - Kultur, Autor: Stadtarchiv Dornbirn

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